Technik


Aluminium- und Edelstahlflächen aufpolieren


"Glanz & Gloria"

Längst nicht alles, was glänzt, ist auch Gold. Und nicht alles,
was blinkt, ist Chrom. Alu- und Edelstahloberflächen können nämlich auch ganz schön spiegeln. Doch bevor es soweit ist,
muss ordentlich gewienert werden. 

Text&Fotos: Winni Scheibe

 


Perfektionisten sind im Grunde genommen gestraft. Besonders aber dann, wenn sie auch noch Putzfanatiker sind. Für sie gibt es wohl nichts Schlimmeres als ein schmuddeliges oder gar zerschundenes Bike. Richtige Maloche ist das Aufpolieren von Alu- und Edelstahl-Bauteilen. Daher ist diese Bikerfraktion auch viel öfters in ihren Garagen beim Putzen, als unterwegs auf großer Fahrt anzutreffen.



"Glanz und Gloria"
Dieses Bike muss einfach spiegeln


Doch Spaß beiseite. Echte Putzteufel lassen sich von so einem Gerede nicht bange machen, sie haben die Dinge sicher im Griff, wissen, mit welcher Arbeitsweise und welchem Poliermittel optimale Ergebnisse zu erzielen sind. Wer sich jedoch noch nie mit so etwas beschäftigt hat, kann sich vielfach überhaupt nicht vorstellen, was da auf einen zukommt.




Poliersets für den Heimwerker



Polierarbeiten lassen sich grundsätzlich in zwei Kapitel unterteilen: Als Auftragsarbeit lässt man sie in einem Fachbetrieb erledigen oder man entscheidet sich für die "do it yourself"-Methode. Beides hat natürlich Vor- und Nachteile. Gibt man die Brocken beim Spezialisten ab, bleiben die Finger zwar sauber und die Werkstatt aufgeräumt, das Portemonnaie wird aber spürbar dünner. Denn billig ist der Spaß gerade nicht. Wer sich die Sachen selbst vorknöpft, spart dagegen eine Menge Geld, muss aber viel Mühe und Zeit investieren. Doch bei allem Ehrgeiz zur Eigenleistung, um es an dieser Stelle gleich vorweg zu nehmen, nicht alle Bauteile lassen sich daheim in der Hobbywerkstatt picobello aufbereiten. Großflächige Bauteile wie zum Beispiel Rahmen, Tank, Hinterradschwinge oder Laufräder bekommt man mit den Heimwerker-Schleif- und Poliersets kaum gescheit hin. Warum, dazu später mehr.



Fein-Polierset


Bei kleinen Flächen oder filigranen Teilen ist dagegen die Selbsthilfe empfehlenswert. Erfahrene Polier-Champions kennen sämtliche Tricks und Kniffs. Ihnen braucht man sicherlich nichts mehr zu erklären, sie wissen Bescheid, unsere Tipps richten sich daher an die Neueinsteiger in der "Meister-Proper-Gilde". Zur einfachsten Übung gehört das Aufpolieren von matten oder angelaufenen Oberflächen. Das können zum Beispiel V2A-Speichen, V2A-Schutzbleche, Flach- oder Hochschulterfelgen, Halteplatten, Haltestreben, Gabelbrücken, Tauchrohre, Motordeckel und Deckelchen oder wer weiß was sonst noch sein. 


Ob Chrom-, Edelstahl- oder Alu-Flächen, Autosol wirkt Wunder

Mit einem guten Vorrat an Leinentuch und einer oder vielleicht sogar mehreren Tuben "Autosol" bewaffnet, macht man sich an die Arbeit. Die Paste wird auf ein Stück Tuch oder direkt auf das Bauteil aufgetragen und dann gut verrieben. Schon nach kurzer Zeit wird die Paste sowie der Bereich des Tuches, mit dem man reibt, richtig schwarz. Die Dauer des ersten Polierschrittes hängt vom Oberflächenzustand ab. Mal geht es ganz fix, mal kann man minutenlang wienern. Hat man das Gefühl, dass man nicht mehr über eine stumpfe, sondern inzwischen richtig glatte Fläche reibt, wird mit einem frischen Tuch ordentlich nachpoliert. Autosol ist universal einsetzbar, auch Chrom- und Nickelflächen blinken nach der Polieraktion wie neu. Das Wundermittel gibt es an Tankstellen, im Kfz-Handel, oft auch in den Autoabteilungen von Supermärkten oder Kaufhäusern.



Fleißarbeit: Speichen wienern mit Polierband


Runde Bauteile, wie zum Beispiel Speichen oder Tauchrohre lassen sich sehr gut mit Polierbändern auf Vordermann bringen. Nach der Vorarbeit ist allerdings auch hier ein Nachpolieren mit einem sauberen Tuch erforderlich.




Wem das Wienern per Hand zu mühselig und zu anstrengend ist, kann sich der modernen Technik bedienen. Via Bohrmaschine und Polier-Set aus dem Zubehörhandel werden die Flächen auf Hochglanz gebracht. Mit unterschiedlichen Schwabbelscheiben und dem entsprechenden Wachs wird erst vor-, dann nachpoliert. Hier heißt die Devise: lieber einmal mehr wachsen als zu wenig, und beim Polieren die Schwabbelscheibe immer wechselseitig zur Fläche laufen lassen.



Feine "Macken" lassen sich mit einem "Lava-Diamant" Schleifkörper weg bekommen


Kritisch wird die Angelegenheit, wenn kleine Risse und Riefen die sonst spiegelglatte Oberfläche verschandeln. Um sie weg zu bekommen gibt es ein zu empfehlendes Mittel und das heißt: Lava-Diamant. Mit diesem schwammähnlichen Schleifkörper lassen sich feine Macken mühelos wegschleifen. Lediglich ein Nachpolieren ist anschließend erforderlich.



Sind Flächen demoliert, muss vor der eigentlichen Politur sorgfältig geschliffen werden

Alu-Bauteile, bei denen der Schutzlack abgeplatzt, die vom Streusalz angefressen, oder nach einem "Ausrutscher" richtig verschrammt sind, bereiten dagegen die meiste Arbeit. Mit "nur" Aufpolieren sind ramponierte Oberflächen nicht zum Glanz zu bringen. Lackreste und Riefen müssen zuerst sorgfältig ausgeschliffen werden. Um das Teil ordentlich in die "Mache" zu nehmen, wird es abgebaut, sauber gewaschen, die Dichtungsreste abgekratzt und alle Lagerstellen sorgfältig abgedeckt, damit kein Schleifstaub eindringen kann.



Vielfach bekommt man zum Polier-Kit gleichzeitig einen dazugehörigen Schleif-Kit mitgeliefert. Gemäß der Gebrauchsanweisung werden die Schleifscheiben eingesetzt. Um die Arbeit sicher durchzuführen, muss die Maschine in einen Bohrmaschinenständer gespannt sein. Zum weiteren Arbeitsschutz gehört der Mundschutz und eine Schleifbrille. Hat man die Fläche glattgeschliffen, wird sie wie bereits oben beschrieben auf Hochglanz poliert.



Bevor der Rahmen auf Hochglanz poliert wird, lieber vorher den TÜV fragen

Nun ist Polieren aber nicht gleich Polieren. Und das hat ganz offensichtlich auch der TÜV mitbekommen. Werden nämlich demolierte Fahrwerksbauteile tief ausgeschliffen oder gar Raupen an den Schweißnähte geglättet um anschließend poliert zu werden, kann hierbei unter Umständen die Material- und Betriebsfestigkeit beeinträchtigt werden. Je nach Umfang und Ausmaß, und vorausgesetzt natürlich man wird von der Polizei erwischt oder baut einen Unfall, kann es zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen. Vor solch einer geplanten Fleißaktion sollte man unbedingt mit der TÜV-Prüfstelle Rücksprache halten und die Arbeit von einem Fachbetrieb, der auf jeden Fall eine entsprechende Bescheinigung mitliefert, ausführen lassen.


Polierarbeiten beim Profi









Der Weg zum Spezialisten ist meist aber auch dann erforderlich, wenn große Flächen poliert werden sollen. Mit Aufpolieren in der eigenen Schrauberbude ist es hier oft nicht getan. Vor der eigentlichen Polierprozedur ist nämlich vielfach eine intensive Vorarbeit fällig. Sämtliche Kratzer, Riefen oder Korrosionsspuren müssen restlos entfernt werden. Mit unterschiedlicher Körnung wird der Oberfläche zu Leibe gerückt. Hierbei muss der Experte darauf achten, dass ein gleichmäßiges Schleifbild entsteht. Auf keinen Fall dürfen sich einseitige Schleifspuren bilden. Im nächsten Arbeitsgang wird das Teil gesisalt, dieses Glätten ist eine Vorstufe zum eigentlichen Polieren, und danach an der Schwabbelscheibe nun poliert. Diese Arbeit verlangt nicht nur handwerkliches Fingerspitzengefühl und ein hohes Maß an Erfahrung, sie ist auch sehr zeitaufwändig sowie schmutzintensiv. Es dürfen auf keinen Fall Schleifspuren zurückbleiben, denn jeder kleinste Kratzer lässt sich später in der Oberfläche sehen.


Wetterfighter
Glanz-Stück:
Aufpolierte Hayabusa


"Glanz & Gloria"

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