Legenden


Portrait Rolf Steinhausen 


"King of the Road"

In der Seitenwagen-Weltmeisterschaft ging der Titel insgesamt
22 Mal an deutsche Teams, fast alle fuhren BMW. Ausnahmen
waren 1968 der Titel für Fath/Kalauch auf der legendären URS
und 1971 Owesle/Rutterford ebenfalls auf der URS. Ab Mitte
der 70er Jahre war die BMW-Viertakt-Boxer Überlegenheit
endgültig  gebrochen, moderne Zweitaktmotoren gaben den Ton an.
Rolf Steinhausen und Sepp Huber konnten 1975 erstmalig
die WM auf einem Zweitakt-König-Gespann gewinnen,
1976 verteidigten sie den Titel erfolgreich.


Text: Winni Scheibe
Fotos: Archiv-Steinhausen, Bernd Fischer,  Wolfgang Fromm


Rolf Steinhausen
(Foto: Wolfgang Fromm)


Das Bergische Land ist ein ideales Motorradrevier. Wunderschöne Landschaft, aber vor allem kurvige Nebenstrecken, machen die Region zum Biker-Eldorado. Bis zum Nürburgring ist es nur einen Katzensprung, aber auch die Moto Cross Hochburg Bielstein liegt gleich um die Ecke. Kein Wunder, dass die Gegend regelrecht Motorsport infiziert ist. Stars in den 60er Jahren waren das BMW Gespann-Team Max Deubel/Emil Hörner. Gleich vier Mal in Folge, von 1961 bis 1964, sicherten sich die Dreiradakrobaten den WM-Titel. Solche Erfolge stecken naturgemäß an, besonders wenn junge Leute bereits vom Rennbazillus befallen sind. Bei Rolf Steinhausen war es zunächst die Solomaschine, doch nach einem Unfall auf dem Nürburgring und der Frage, wie es weiter gehen soll, fiel die Endscheidung zugunsten des Gespannsportes. Maßgeblich beeinflusst wurde dieser Schritt durch die Bekanntschaft zur Gespannlegende Max Deubel, der mit seinem Know-how den jungen Steinhausen mit Rat und Tat unterstützte. Das BMW-Renngespann hatte der handwerklich hochbegabte Dreirad-Youngster selbst gebaut, erste Erfahrungen in der Ausweisklasse wurden gesammelt. Max Deubel erkannte Steinhausens Talent und überließ ihm eines seiner Gespanne. Der Weg in die Weltmeisterschaft war für Rolf Steinhausen jetzt nur noch eine Frage der Zeit.



TT 1975: Busch-König-Gespann-Team Steinhausen/Huber
(Foto:Archiv-Steinhausen)


Ab 1972 war es so weit. Bei allen Rennen zur Gespannweltmeisterschaft war das Team Steinhausen/Kapp mit von der Partie. Allerdings nicht mehr auf BMW, sondern mit einem Zweitakt-König-Gespann. Eingefleischte Boxer-Fans konnten allerdings darüber nur lachen. Abgesehen von den beiden URS Erfolgen, dominierte in der Gespann-WM seit fast zwei Jahrzehnten die bayerische Traditionsmarke. Und das hätte für diese Herrschaften bis ans Ende der Welt auch so weiter gehen können.



Busch-König-Gespann-Team Steinhausen/Huber
(Foto: Bernd Fischer)


Ganz anders die "jungen Wilden": Ehrgeiz und Experimentierfreudigkeit, besonders mit Zweitakt-Motoren. Dazu gehörte der wassergekühlte Zweitakt-Vierzylinder-Boxer-Motor von Dieter König aus Berlin. Das reinrassige Rennboot-Triebwerk war kompakt und leistungsstark und auf dem Wasser fast unschlagbar. Für den Einsatz in einem Renngespann waren jedoch immense technische Herausforderungen zu bewältigen. Eigentlich war für Rolf Steinhausen alles neu; die Mechanik, aber vor allem die Abstimmung des empfindlichen Zweitakters auf die jeweilige Rennpiste. Trotz diverser Kinderkrankheiten mit seinem König-Gespann beendeten Steinhausen/Kapp ihre erste WM-Saison als beste Zweitakt-Akteure auf dem 10 Platz. In der Saison 1973 war es bereits der sechste Platz.



Gespann-Weltmeister 1975 und 1976 Rolf Steinhausen/Sepp Huber
(2 Fotos: Bernd Fischer)


Längst war ein regelrechter Glaubenskrieg entstanden. Die einen setzten weiterhin auf die bewährte Viertakt-Technik der Boxer-BWM, andere sahen im Zweitakter die Zukunft. Rolf Steinhausen war von dem König-Potenzial überzeugt und ließ sich für 1974 vom renommierten Fahrwerksbauer Dieter Busch ein neues Renngespann auf die Räder stellen. Als sich dann auch noch während der Saison als neuer Beifahrer Sepp Huber ins Boot legte, schien der Bann gebrochen. GP-Sieg in Assen und Spa und am Schluss ein vierter Platz in der WM.
1975 und 1976 wurden für Rolf Steinhausen und Sepp Huber als Gespannweltmeister zu den großen Triumphjahren, wobei 1975 erstmalig ein Zweitakt-Gespann die WM eroberte. Die BMW-Zeit war damit endgültig beendet. 25 Jahre betrieb Rolf Steinhausen bis 1989 Rennsport und, ähnlich wie damals Max Deubel, gibt er sein Know-how an Jüngere weiter, besonders an seinen Sohn Jörg, der ebenfalls erfolgreich Seitenwagenrennen fährt.


Die wichtigsten Erfolge von Rolf Steinhausen

Gespannweltmeister 1975, 1976

10 GP-Siege

Deutscher Seitenwagen-Meister 1985, 1986

TT-Sidebike-Sieger 1975, 1976, 1978


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