Legenden


Portrait Thomas Petsch

"Das Mammut-Projekt"


In den 60er und 70er Jahren war die Münch-4 das stärkste,
schnellste, exklusivste, aber auch teuerste Motorrad der Welt.
Für viele blieb die "Mammut" eine Traummaschine. Der
Würzburger Unternehmer Thomas Petsch erfüllte sich diesen
Traum, wenn auch auf eine ganz besondere Art.


Text: Winni Scheibe
Fotos: Kühlmann, Scheibe


Thomas Petsch Hersteller der Münch-Mammut-2000


Als Anfang 1966 Friedel Münch sein selbstkonstruiertes Big-Bike mit einem 55 PS starken 1000er NSU Vierzylinder-Automotor vorstellte, war die Sensation perfekt. In einer Zeit, als Motorradfahren mega out war, glaubte der hessische Kfz-Meister unerschütterlich an das Zweiradgeschäft. Schnell war für den "Koloss auf zwei Rädern" der Name "Mammut" gefunden. Das klang gewaltig und machte Eindruck.



Münch-Mammut 1000 Prototyp von 1966
(Foto: Kühlmann)


Doch dieses Logo war bereits als Warenzeichen geschützt, und so gingen die 474 Maschinen aus der hessischen Manufaktur in Altenstadt als Münch-4 in die Geschichte ein. Der Hubraum stieg auf 1100 ccm und später 1200 ccm. Mit Vergasern leistete das Triebwerk 88 PS, mit Einspritzanlage 105 PS, die Höchstgeschwindigkeit lag bei weit über 200 km/h. Anfang der 70er Jahre war die "Mammut", wie sie weiterhin erfurchtsvoll von den Münch-Fans genannt wurde, das schnellste Motorrad der Welt. Nach Höhen und Tiefen wurde 1980 die Fertigung eingestellt, ein Kapitel ruhmreicher deutscher Motorradgeschichte war für immer zu Ende. Dachte man jedenfalls.



Münch-Mammut-2000 und Münch-4 TTS-E 1200


"Mammut Revival"


Präsentation der Münch-Mammut-2000


Bereits als Dreikäsehoch war Thomas Petsch Münch-Fan. Das Highlight in seinem Kartenspiel war die Mammut. Wer diese Karte in der Hand hatte, war automatisch Sieger. An sein Fahrrad hatte der junge Motorradfan einen Pappkarton mit selbst aufgemaltem Vierzylinder-Motor und Münch-Logo gebastelt. Der Traum von einer echten Mammut sollte allerding noch viele Jahre dauern.
"Im Sommer 1997 saß beim Heimflug ein netter Herr neben mir. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt und zufällig auch über Motorräder. Ich erzählte von meinem Traum-Motorrad, der Münch Mammut, und erfuhr, dass mein Nachbar Friedel Münch gut kennt. Ich fragte sofort, ob er ein Treffen arrangieren könne. Wenig später erhielt ich von ihm einen Anruf, und er sagte mir, Friedel Münch würde sich freuen, mich kennen zu lernen. Das Ergebnis dieses Treffens wurde meine Münch-Mammut-2000", erinnert sich mit einem Schmunzeln der Würzburger Unternehmer Thomas Petsch.



Münch-Mammut-2000

Entwicklung und Herstellung gestalteten sich jedoch zur ungeahnten Herausforderung. Abgesehen vom Vierventil-Cosworth-Zylinderkopf erforderten fast alle Motorbauteile eine kostspielige Einzelanfertigung. Zur Hightech-Ausstattung gehörten ein computergesteuertes Motormanagement für Zündung, Einspritzanlage und Turbolader. Das Doppelrohr-Chassis für das 354 kg schwere Big-Bike bestand aus Stahlrohr, die Gabel lieferte Öhlins, die beiden liegend eingebauten Federbeine sind von White Power, die Bremsanlage stammt von Spiegler. Für das aggressive Outfit zeichnete das Team von m-design verantwortlich. Die Fertigung war ebenfalls ungewöhnlich.
"In der Nähe von Breslau/Polen hatten wir eine Produktionshalle gekauft. Die Münch-Mammut-2000 wurde ausschließlich von 15 Ingenieuren, die auch alle bei der Entwicklung mit dabei waren, montiert", betont Thomas Petsch.

In der Diskussion um das stärkste
und schnellste Motorrad auf dem Markt
machte sich Münch-Hersteller Petsch
zunächst keine Gedanken und ließ
bei der Präsentation auf der INTERMOT
im Jahr 2000 selbstbewusst verlauten:
"Bei den Prüfstandsläufen hat das Triebwerk locker 300 PS abgegeben.
Wir waren allerdings der Meinung, 
260 PS genügen vollauf. Zur
Höchstgeschwindigkeit wollen wir
keine Angaben machen, haben uns
dann aber auf eine automatische Abriegelung bei 250 Sachen
festgelegt."


Münch-Mammut-2000
260 PS, 250 km/h, 354 kg, 86.000 Euro


Bei aller Euphorie und Begeisterung für die 86.000 Euro teure Münch-Mammut-2000 blieb letztendlich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit: Rechnet sich das Unternehmen? Auch auf diese Frage hatte Thomas Petsch damals schlagfertig eine Antwort parat: "Man kann es mir glauben, die Münch-Mammut-2000 bauen wir aus Spaß an der Freude, Geld wollen und werden wir nicht damit verdienen."



Soweit die gute Meldung - nun aber die schlechte Nachricht. Von einer halbwegs kostendeckenden Produktion hatte sich Thomas Petsch gedanklich schon bald verabschiedet. Seine Traummaschine, die Münch-Mammut-2000, hätte er zum doppelten Preis verkaufen müssen. Nur 15 dieser Asphalt-Brenner wurden überhaupt gebaut. Im April 2002 zog der Würzburger Unternehmer die Notbremse und stellte die Fertigung ein. Acht dieser Überbikes fanden einen Käufer, die restlichen sieben Maschinen stehen wohl behütet, aber jederzeit fahrbereit, bei Thomas Petsch in der Garage.


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